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Wenn der Bock zum Gärtner wird

27. Februar 2018 / Comments (0)

Die Diskussion über die gesellschaftliche Herausforderung der Altersarmut ist in vollem Gange. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beteuert dabei unablässig die Tragfähigkeit des Modells der Lebensversicherung und die gesetzliche Rentenversicherung kämpft mit der bundesdeutschen Umverteilungslogik und dem demografischen Wandel, sprich der Überalterung der Gesellschaft.

In der Sendung „Hart aber fair“ Ende Januar sprach der GDV erstmalig davon, das Wort Garantie nie in der verstandenen Form genutzt haben zu wollen. Auf seiner diesjährigen Jahres-Pressekonferenz sprach der Verband davon, dass sich finanzielle Zeiten nun einmal ändern, davon seien auch die deutschen Lebensversicherungen betroffen, die dann eben nicht mehr ihre Kundenversprechen aus der Vergangenheit einhalten können. Punkt, fertig!

Spätestens jetzt sollte eigentlich der Punkt gekommen sein, das System der Rentenpolitik partei- und wirtschaftsübergreifend kontrovers zu diskutieren und gemeinsam die Herausforderung einer tragfähigen und zukunftsfähigen Altersvorsorge anzugehen. Stattdessen berichtet Focus über die Studie eines deutschen Versicherers – durchgeführt durch das Max-Planck-Institut. Diese besagt, dass sich die Bürger selbstverantwortlich in diese Krise der drohenden Altersarmut manövriert haben, da sie viel zu spät beginnen für das Alter vorzusorgen und dann auch noch viel zu wenig investieren. 22 Prozent der Befragten legen nichts und weitere 20 Prozent monatlich höchstens 50 Euro für ihre private Altersvorsorge zurück. 70 Prozent der Befragten erwarten sinkende Renten. Neben der Angst vor Krankheit, fürchten 40 Prozent Armut im Alter. Die Ursachenforschung für dieses Verhalten der Bürger bleibt außen vor.

Die Digitalisierung schürt die Ängste der Bürger

Das Kölner Marktforschungsinstitut Heute und Morgen befragte im September 2017 insgesamt 3.200 Menschen. Wegen der fortschreitenden Digitalisierung hat ein Viertel der Deutschen Angst, in den nächsten zehn Jahren im Job von Maschinen ersetzt zu werden. Für immerhin acht Prozent der Befragten ist die Gefährdung des Arbeitsplatzes das für sie größte Risiko aus dem Zukunftsszenario Digitalisierung – eine Tatsache, die sicherlich die Angst vor Altersarmut befeuert.

Anstatt aufzuklären und die Sorgen der Bürger in den Mittelpunkt eines kontroversen Diskurses zu stellen, wird lediglich die psychologische Schuldfrage aufgeworfen und gleich in Richtung des Kunden beantwortet.

Leider rücken dabei eine tragende Vision und die Öffnung für neue Blickwinkel auf politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und bildungspolitische Fragen, die den technologischen Fortschritt und damit die kundenfokussierte Digitalisierung und ihre Folgen und Chancen für uns alle miteinschließt, gefährlich in den Hintergrund.

Aufklärung und Transparenz wären notwendig und nicht die Erkenntnis, dass der Bock zum Gärtner wird, denn diese war schon vor der Digitalisierung bekannt.

Last modified: 21. Mai 2018