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Alt, arm und abgezockt

4. Juni 2018 / Comments (0)

Die klassische Lebensversicherung war der Deutschen liebstes Anlageprodukt, heute ist sie am Ende. Wie konnte es so weit kommen? In meinem Buch „Alt, arm und abgezockt“ beleuchte ich die Gründe des Niedergangs und die Folgen für die Versicherten.

Warum spitzt sich gerade jetzt die Lage für die Lebensversicherungsbranche und damit für ihre Kunden zu? Gegenwärtig kommen mehrere Faktoren zusammen, die jeder für sich gefährlich genug wären, in ihrer Kombination aber kaum zu bewältigen sind.

Jeder Faktor für sich kommt schon einem realen Stresstest für die Versicherer gleich. Aber so sehr die Risk Manager und Aktuare – das sind die vom Vorstand bestellten Versicherungsmathematiker, die unter anderem die für die Zukunft erforderlichen Deckungsrückstellungen kalkulieren – auch rechnen werden, für einige Unternehmen wird der Crash nicht abzuwenden sein, dies bestätigt nun auch der Artikel „Die Politik muss handeln, sonst überlebt nicht jeder Lebensversicherer die nächsten Jahre“ aus Focus Online vom 3. Juni 2018.

Die Versicherer selbst klagen immer wieder über die niedrigen Zinsen. Vor allem EZB-Chef Mario Draghi steht unter Beschuss: Seine Nullzinspolitik helfe zwar, Staatspleiten zu verhindern, aber auf Kosten der Sparer – und natürlich auf Kosten der Versicherer. Diese waschen ihre Hände in Unschuld. Richtig ist: Die niedrigen Zinsen sind ein wirkmächtiger Faktor. Richtig ist aber auch: Sie bieten keine hinreichende Erklärung für die Krise der Branche.

Die Frage bleibt: Wann werden wir endlich den Mut aufbringen uns ehrlich in die Augen zu schauen und uns eingestehen, dass wir sehenden Auges in die gesellschaftliche Katastrophe der Altersarmut laufen? Wann hört Berlin den Ruf nach Erneuerung und wann setzen sich Politik, Versicherer und Kundenverbände an einen Tisch, um die Altersversorgung neu und digital zu denken?

Last modified: 4. Juni 2018